muskelkrank - lebensstark - Stadtplanung - selbständig - Rollstuhlfahren

Vreni Lauper – hindernisfreies Wohlen

selber aktiv mitgestalten

Wie kam es dazu, dass ich an der Gestaltung meines Umfeldes mitgearbeitet habe?

Nach meinem 40. Lebensjahr habe ich meine interessante und anspruchsvolle Tätigkeit im kaufmännischen Bereich in der Reisebranche wegen Umstrukturierung verloren. Dies war auch die Zeit, in der ich mir meiner vermehrten Einschränkung durch meine progressive Muskeldystrophie stark bewusst wurde.

Wenn mich bei der Arbeitssuche eine Stelle wirklich interessiert hat, war sie für mich – inzwischen im Elektrorollstuhl – wegen Stufen, engen Verhältnissen und anderen Hindernissen nicht zugänglich. Zu Vorstellungsgesprächen kam es äusserst selten – einmal brach ein Arbeitgeber das Gespräch abrupt ab, als er meine Diagnose erfuhr. Nun, ich fand Tätigkeiten, jedoch allesamt auf ehrenamtlicher Basis. Sie haben mich wei-tergebracht und ich konnte dabei viel lernen. Ich wollte etwas bewegen, war voller Energie und wurde durch so viele unnötige bauliche Barrieren und auch solche in den Köpfen der Men-schen ausgebremst.

In dieser Zeit erkannte ich: wenn ich nicht resignieren will, musste ich lernen, mich einzusetzen um den Abbau von Barrieren voranzutreiben.

 

Woher kam Unterstützung und wie sah diese aus?

Mit grosser Unterstützung und Motivation meines Mannes konnte ich wenig später vor den Mitgliedern des Vereins, dessen Sekretariat ich in unserer Gemeinde Wohlen BE führte, einen kleinen Vortrag halten. Ich konnte ihnen meine Erschwernisse im Alltag näher bringen.

Mit grosser Unterstützung und Motivation meines Mannes konnte ich wenig später vor den Mitgliedern des Vereins, dessen Sekretariat ich in unserer Gemeinde Wohlen BE führte, einen kleinen Vortrag halten. Ich konnte ihnen meine Erschwernisse im Alltag näher bringen.

Sie setzte sich zusammen aus je einer Person mit einer Seh-, Hör- und Mobilitätsbehinderung, einem Bauingenieur mit einer muskelkranken Enkelin, einem Vertreter der Senio-ren, einem Gemeindevertreter, dem Gemeinderat sowie einer Verantwortlichen für Öffentlichkeitsarbeit, die selber von Seh-schwierigkeiten betroffen war. Teilweise mit anderer Besetzung sind wir auch heute noch am Wirken, denn die Arbeit geht uns nicht so schnell aus!

 

Gab es Widerstände?

In all diesen Jahren haben wir nur sehr wenige Widerstände gespürt. Meistens dann, wenn es sich konkret um die Kosten von baulichen Anpassungen handelte. Oder bei Sensibilisie-rungsgesprächen mit Gewerbetreibenden und Dienstleistern betreffend der Aufnahme in den «Führer für Menschen mit einer Mobilitäts- und/oder Hörbehinderung». Darin sind Geschäfte, Büros, Praxen und weitere Einrichtungen aufgelistet mit ihrer Eignung für Rollstühle, Behindertenparkplätze und weiteren Kriterien.

Ein anderes Beispiel, das ganz schön Durchhaltevermögen kos-tete, war der Einbau einer Klingel bei der Poststelle. Deren Türen waren für mobilitätsbehinderte Menschen schwer zu öffnen, die Klingel hätte dieses Hindernis umschifft. Unser Gemeindeprä-sident setzte sich auf unser Begehren hin persönlich dafür ein und seit Sommer 2014 ist die Klingel montiert.

 

Wie reagierte mein Umfeld?

Offenes Unbehagen geäussert hat niemand. Im Gegenteil, ich bekam eigentlich nur motivierende Zustimmung!

 

 

// Die treibenden Kräfte in Wohlen (BE)

Auszug aus: www.wohlen-be.ch

 

Wohlen geht voran mit der Beseitigung von Hindernissen für Menschen mit Behinderungen. Auf Initiative des Vereins «Agenda 21 Wohlen» nahm eine Arbeitsgruppe unter dem Patronat des Departements für Liegenschaften, Land- und Forstwirtschaft mit Inkraftsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes 2004 die Arbeit auf.

 

Das Projekt trug während 10 Jahren den Namen «Be-hindertengerechtes Wohlen – Leben ohne Ausgrenzung». Verschiedene Anpassungen und Nachrüstungen wurden seither an Strassen und gemeindeeigenen Gebäuden sowie privaten Dienstleistungsbetrieben realisiert.

 

Per 1. März 2014 hat die Arbeitsgruppe ihren Namen geändert in «Hindernisfreies Wohlen - Leben ohne Ausgren-zung», denn alle Menschen, ob jung oder alt, ob mit oder ohne Behinderung, profitieren von einer hindernisfreien Umwelt.

 

Beschluss der Gemeindeversammlung Wohlen vom

1. Dezember 2015: Wohlener Hecht

Der Wohlener Hecht 2015 wurde im Rahmen der Gemeindeversammlung verliehen an: Vreni Lauper, Hinterkappelen und ihre Arbeitsgruppe „Hindernisfreies Wohlen – Leben ohne Ausgrenzung“. Damit wird Frau Laupers hervorragendes, jahrzehntelanges Engagement mit der Arbeitsgruppe gewürdigt, das viel zur guten Lebensqualität der Menschen mit Einschränkungen in der Gemeinde Wohlen beigetragen hat. Vreni Lauper ist selber Rollstuhlfahrerin. Herzliche Gratulation der Preisträgerin und ihrer Arbeitsgruppe.

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