mitochondriale Mythopathie - Muskelkrankheit - Powerman - Roland Thomke

Roland Thomke leidet an einer Muskelkrankheit

Bellacher wagte Schritt zur Selbständigkeit - jetzt produziert er Skis

16.9.15 - 15:34

Von Raphael Galliker

© Copyright az Grenchner Tagblatt 2015

http://m.grenchnertagblatt.ch/sport/solothurn/der-bellacher-roland-thomke-geht-neue-wege-129556824

 

Roland Thomkes FJELL-Skis sind für sportliche und ambitionierte Skifahrerinnen und Skifahrer gedacht. Der Neffe des berühmten Uhrenherstellers Ernst Thomke leidet an einer sehr seltenen Muskelkrankheit und wagt jetzt aus diesem Grund den Schritt in die Selbständigkeit.

Der Bellacher baut sich seine Selbständigkeit Schritt für Schritt auf und dies vor allem aus gesundheitlichen Gründen, welche ihn zu einer beruflichen Neuorientierung zwingen. Der 53-Jährige leidet an einer mitochondrialen Mythopathie genannten Muskelkrankheit. «Nach vier Stunden ohne Bewegung bekomme ich Muskelkrämpfe und Muskelkater.» Das sei ein DNA-Defekt, also unheilbar und komme sehr selten vor. Die Diagnose erhielt er vor vier Jahren bei speziellen Gentests, die er aufgrund von akuten Schlafstörungen ausführen liess. Der Schritt in die Selbständigkeit wird von der IV Solothurn mit einem Coaching begleitet.

 

Skis mit hochwertigem Holzkern

Zwei Jahre lang baute Thomke Ski-Prototypen und testete diese zusammen mit erfahrenen Skifahrerinnen und -fahrern. «Es sind vor allem rennsportlich orientierte Skis für Leute, die sehr viel Ski fahren, also mehr als 20 Tage pro Saison.» Diese Skis haben einen klassischen Holzkern, damit sie grosse Belastungen aushalten können. «Die meisten heutigen Skis werden für den Gebrauch von einer Saison oder höchstens zwei Saisons konzipiert.»

 

Der aktuelle Skimarkt besteht zu rund 60 Prozent aus Mietskis. Die Skiindustrie sei zu sehr auf dieses Segment fokussiert und produziere vornehmlich Allroundskis. Gute Skifahrerinnen und –fahrer hätten allzu oft nicht mehr das leistungsfähige Material, das sie eigentlich brauchen würden. «Ich produziere keinen Luxusski, sondern einen klassischen Alpinski, der die Performance hat, die ein guter Ski-Crack sucht.»

Heute würden vor allem sehr drehfreudige Skis gebaut, die aber nicht spurentreu seien und beim schnellen Fahren flattern würden. Thomkes Skis brillieren durch einen vertikal verleimten Holzkern made in Switzerland. Die Torsionsbox besteht aus Aluminium, Glas- und Carbonfasern. Es ist also eine klassische Sandwichbauweise. «Die meisten anderen Skibauer wenden mehrheitlich eine Schalenbauweise an, also eine Halbschale, die bis auf die Kante hinunter geht und einen Kern aus Hartschaum hat.»

 

Produktion in Italien

Thomkes Skis kosten zwischen 1‘200 und 1‘600 Franken, dies inklusive Bindung und mit einer Einjahres-Garantie versehen. Es gibt Damen- und Herrenmodelle in Längen zwischen 1,50 und 1,80 Metern. Es gibt sechs Modelle mit Radien zwischen 11 und 18 Metern. Angeboten werden zwei verschiedene Härten, je nach Wünschen und Gewicht der Kundschaft. Zusätzlich gibt es spezielle Modelle für Hobby-Skirennfahrer.

«Produziert werden die Skis unter meiner Aufsicht in Italien.» Alle Rohmaterialien kaufe er selber ein. «Der Kunde hat zudem die Möglichkeit der individuellen Skigestaltung bezüglich Design und Farben des Deckbelages.» Bestellen kann man die Skis über die Homepage www.fjellski.com. «Mein Ziel ist es jedoch, dass man die Skis über den Skisportfachhandel beziehen kann. Der Händler montiert die Bindung, macht den BfU-Test und den Service. Die Kunden geben mir ihren Wunschhändler an und holen ihre Skis dort ab.»

Die Beratung der Kunden durch die Fachhändler sei ihm sehr wichtig. «Ich will dem Sportfachgeschäften eine Chance geben, ein hochqualifiziertes Produkt zu fairen Preisen anbieten zu können.» Bisher hat Thomke eine Zusammenarbeit mit drei solchen Skisportfachhändlern, alle stationiert in der Deutschschweiz. «Ein Sportfachhändler kann auch für sein Geschäft individuelle Skis machen lassen, die ich für ihn produzieren würde.»

 

Norwegischer Berg

Thomkes Ski heisst FJELL Ski, auf Norwegisch heisst dies Berg. «Ich habe die Marke in ganz Europa schützen lassen.» Und tatsächlich hatte es dann auch bei der ersten öffentlichen Präsentation auch Norweger vor Ort. Der Bellacher hatte beim 27. Powerman Zofingen, an dem Duathletinnen und Duathleten aus 31 verschiedenen Ländern teilnahmen, einen Expo-Stand, wo er seine FJELL Skis ausstellte. «Das war quasi ein Probegallopp für die HESO in Solothurn, wo ich vom 18. bis 27. September mit einem eigenen Stand vor Ort bin.»

Zudem wurde die Powerman CHARITY von der Jumbo-Markt AG getragen, die ihrerseits die Schweizerische Muskelgesellschaft unterstützt. Und diese kümmert sich ja um Muskelkranke.

Artikel bewerten

Artikel exportieren

Artikel als PDF herunterladen

Artikel merken

Artikel in "Meine Artikel" speichern

Artikel teilen

Folgende Artikel könnten für Sie auch interessant sein

Artikel lesen

Erfahrungsbericht - mytochondriale Myopathie

Bewegung als Therapie gegen eine Muskelkrankheit

/ Gespräch mit Roland Thomke aufgezeichnet von Kurt Broger auch veröffentlicht im «Info» 02.16

Roland Thomke ist von einer Mitochondrialen Myopathie betroffen. Paradoxerweise führt dies dazu, dass er sich bewegen muss, pausenlos, sonst kommen nach spätestens vier Stunden diese

...
Artikel lesen

Jumbo-Markt AG - Arbeitgeber - Inklusion - Arbeit für Behinderte - Arbeitnehmer

Arbeitsmarktintegration

Wie muskelkranke Menschen eine Arbeit finden

Seit Sommer 2015 arbeitet Jan Oehninger bei der Jumbo-Markt AG. Jan ist von der Muskeldystrophie Duchenne betroffen und dauerhaft auf einen Elektro-Rollstuhl angewiesen.

Wie dieses schöne Beispiel für gelungene

...
Artikel lesen

Freizeit - Kino - Film - Movie

Filmträff - CAPTAIN AMERICA 3

Genre: Action, Comicverfilmung, Science-Fiction

Nach den Ereignissen mit den Avengers, die sehr grosse Zerstörung mit sich brachte, kann die US-Regierung nicht mehr tatenlos zusehen und ist der Meinung, dass es eine stärkere Kontrolle der Superhelden braucht.

Deshalb

...