Warning: Invalid argument supplied for foreach() in /home/websites/smg/app/templates/header_small/header_small.php on line 9

Jan Oehninger - Jumbo-Markt AG - Erfahrungsbericht - Jumbo - Inklusion - Duchenne - Arbeit für Behinderte - Muskeldystrophie Duchenne - Contacter

Inklusion ist keine Einbahnstrasse

Jan Oehninger arbeitet bei Jumbo-Markt AG als «Contacter«

«Die Stimmung gegen Andersartige war durchaus zu spüren,» erinnerte sich Jan, «sie richtete sich aber nicht speziell gegen mich, auch Ausländerkinder waren davon betroffen.» An der Rudolf Steiner Schule im St.Gallischen Wil gab es auch Rempeleien auf dem Pausenhof. Dabei gingen die älteren Schüler oft dazwischen, um den meist jüngeren «Opfern» zu helfen.

Jans Schulkameraden merkten bald, dass seine Muskeln nicht genügend Kraft entwickeln konnten. Ein Gespräch mit dem Lehrer und der Klasse führte zu spürbarem Rückhalt und einer bemerkenswerten Unterstützung. So wurde zum Beispiel auf Klassenausflügen jeweils ein Veloanhänger mitgenommen, damit Jan nicht den ganzen Weg laufen musste. Jahre später, bei einem Klassentreffen, beurteilten die ehemaligen Kameraden die Situation damals als «ganz normal».

Die Pubertät führte Jan in Bereiche, die Aussenstehende sicher als zu gefährlich für einen Rollstuhlfahrenden einschätzen würden. Durch seine Vorlieben für Hardcore-Musik und für das Eishockey – als eingefleischter Fan des SC Bern – erlebte er tatsächlich einige brenzlige Momente. «Ich hatte kaum Angst. Ich wollte dabei sein, auch wenn es brannte auf den Rängen oder wenn an einem Konzert wild getanzt wurde.» Er rollte sich immer nah ans Geschehen im Bewusstsein, dass er etwas  abkriegen könnte – was manchmal auch vorkam, – das nahm er in Kauf.

«Ich hätte nie aus sicherer Entfernung zuschauen wollen, ich musste wirklich dabei sein!» Da geschah es zuweilen, dass sich jemand aus der Clique schützend vor Jan hinstellte. «Das war eindrucksvoll. Ich habe das ja nicht verlangt, aber es hat mir gefallen.» Mit der Zeit wurde Jan gefragt, ob er an ein Spiel oder Konzert mitkommen würde, was er gerne tat. Seine Freunde und Kollegen übernahmen freiwillig und selbstverständlich die Begleitung. Ganz selbstverständlich war er auch an der Meistertitelfeier 2010 des SCB dabei. «Ich hatte nie das Gefühl, ich sei aussen vor – im Gegenteil, ich war zwar anders, aber Teil der Clique!» Noch heute leuchten seine Augen freudig auf, wenn er davon erzählt.

Das Anderssein mit der Diagnose Duchenne und auf den Rollstuhl sowie Unterstützung angewiesen zu sein machte ihm
dennoch zu schaffen. Die Gestaltung des Alltags war durch Sachzwänge geprägt und die Zukunftsaussichten mit der Behinderung speziell. Durch Gespräche mit einem Psychologen und dem starken Bezug zu seiner Mutter konnte Jan einen Zugang zu seiner Krankheit finden. Kurz vor dieser Zeit fiel der Entscheid, statt zuhause zu wohnen und eine Tagesschule zu besuchen, ins Mathilde Escher Heim (MEH) zu wechseln, wo er nun seit 14 Jahren wohnt und eine Bürolehre absolviert hat. «Ich zweifelte anfangs, ob dies nicht ein Abstellgleis sei, jedoch sind die Gemeinschaft mit Gleichartigen und vor allem das E-Rollstuhlhockey dermassen aufbauend, dass diese Zweifel rasch verflogen.»



Seit 2008 ist Jan Stammspieler in der Nationalmannschaft. E-Hockey sei ein Ventil, meint er, es sei eine Aufgabe und vermittle Lebensinhalt. Er trägt Sorge zu seinem Material und hält seinen Sportrollstuhl fit. Der Lebensinhalt besteht darin, dass er den Sport fast professionell betreiben kann, viel spielt und reist, sich in zwei Teams (Iron Cats & Nationalmannschaft) voll hineingeben und Erfahrungen auf menschlicher und spielerischer Seite sammeln kann. «Für mich ist es ein Privileg, Teil der Iron Cats und der Nati zu sein. Die Reisen ins Ausland, die internationalen Kontakte – das sind Highlights!»

Trotzdem stellte sich Jan die Frage, was er mit seinem Leben anfangen sollte. Die Matur kam infrage, oder eine Arbeit ausserhalb des MEH. Das würde schwierig sein, wie er wusste. Dann stiess er auf die Ausschreibung von zwei Stellen der Jumbo-Markt AG, welche speziell auf Rollstuhlfahrende zugeschnitten waren. Er zögerte. Mit Werkzeugen hatte er bislang kaum etwas zu tun gehabt. Zu verlieren gab es allerdings auch nichts, so meldete er sich und wurde für eine der beiden Stellen ausgewählt.

«Ich hatte keine Vorstellung davon, wie es im ersten Arbeitsmarkt sein würde und war entsprechend nervös,» erzählt Jan, «aber wir beide, Stefan und ich, wurden von Beginn an gut eingeführt. Der Einstieg wurde uns von den Mitarbeitenden leicht gemacht.» Seine diesbezüglichen Bedenken erwiesen sich als grundlos, im Gegenteil: Jan hat zu mehreren Mitarbeitenden kollegiale Beziehungen aufbauen können. Es kommt häufig vor, dass sie zusammen zu Mittag essen – wobei die Jumbo-Kollegen Jan beim Essen und Trinken unterstützen – oder privat etwas unternehmen.

Sein Job als «Jumbo-Contacter», also die Auskunftsperson für Fragen der Kunden, bringt vielfältige Kontakte mit sich. Auch dies gestaltete sich einfacher als gedacht. Die meisten reagieren sehr positiv, da ihnen ja gedient ist. Einige Stammkunden halten bereits nach Jan Ausschau, so wie der ältere Amerikaner, der genau weiss: Jan spricht gut Englisch. Das benutzt er jeweils, um mit ihm zu plaudern.

Jans Engagement geht aber darüber hinaus. Wenn es die Zeit erlaubt, hört er zu, wie die Jumbo-Fachleute ihre Beratungsgespräche führen. Mittlerweile kann er das teils auch selber und muss für manche Fragestellung keinen Verkäufer und keine Verkäuferin rufen. Zum Beispiel wenn jemand unsicher ist, welche Lampe in eine bestehende Fassung passt oder wie die Lumenzahl zu interpretieren ist. Das macht ihn sowohl für Kunden wie auch für das Verkaufspersonal wertvoll. «Es macht mir Freude, da zu arbeiten. Ich werde gebraucht und herausgefordert, das ist ein gutes Gefühl,» resümiert Jan.



Obwohl sich Jan lieber im Hintergrund hält, wird sein Engagement beachtet und geschätzt. So unterstützt er auch im MEH die Mitarbeitenden der Wohngruppe, zum Beispiel bei den Lebensmittelbestellungen, und versucht stets mitzudenken. «In meinen Augen hätten viele dasselbe Potenzial, jedoch nicht das Glück – bezüglich meiner Anstellung bei Jumbo – und meiner Sturheit,» ist sich Jan sicher.

Über die Zukunft macht sich Jan nicht allzu viele Gedanken. Jumbo plant, auch in anderen Filialen «Contacters» einzusetzen. «Ich würde gerne meine Erfahrungen weiter geben und bei der Einführung helfen,» ist seine Idee, die sowohl den Neulingen als auch Jumbo dienen würde. Dann könnte er sich vorstellen, dereinst mit Assistenz
und einer eigenen Wohnung oder zusammen mit Freunden zu leben. Generell möchte er sich neue Ziele stecken, stärker werden, wachsen. Das passt zu diesem engagierten und ehrgeizigen jungen Mann.

Vielleicht die Matur nachholen? «Nein,» meint Jan, «das ist zur Zeit kein Thema. Die Arbeit bei Jumbo verlangt nach Ruhe am Abend. Alles andere wäre eine Überforderung.»

 

Bericht zu Jumbo Cantacters auf Compasso Berufliche Integration - Informationsportal für Arbeitgeber

Artikel bewerten

Durchnittliche Bewertung:

Artikel exportieren

Artikel als PDF herunterladen

Artikel merken

Artikel in "Meine Artikel" speichern

Artikel teilen

 

Artikel lesen

Muskelabbau - Becker - Dystrophinopathien - Muskeldystrophie Duchenne - muskelkrank

Dystrophinopathien Duchenne und Becker

Eine Broschüre der Schweizerischen Muskelgesellschaft

Was sind Dystrophinopathien?

Die Muskeldystrophie des Typs Duchenne ist die häufigste Muskeldystrophieform des Kindesalters und beginnt im Kleinkindalter mit einer Schwäche der Becken- und Oberschenkelmuskulatur. Sie schreitet rasch voran und endet, meist im

...
Artikel lesen

Heft - Zeitschrift - Mitgliederzeitschrift - info

«info» Die Mitgliederzeitschrift zum Herunterladen – 2016

alle drei Nummern hier als pdf

«info» 03.16

 

«info» 02.16

 

«info» 01.16

 

 

Artikel lesen

Contacter - Muskeldystrophie Duchenne - Inklusion - Jumbo - Jumbo-Markt AG

Mitarbeiter im Rollstuhl bei Jumbo-Markt AG

Private Aktion zur Inklusion von Menschen mit einer Behinderung

Ihre Aufgabe besteht darin, die Kundschaft in diesem riesigen Laden zu den gesuchten Produkten zu führen. Bei rund 60‘000 Artikeln ist dies eine Herausforderung. Vornehmlich in Spitzenzeiten, samstags und montags, sind die

...
Artikel lesen

Muskelabbau - Muskelschwund - Muskelkrankheit - muskelkrank

Was ist muskelkrank?

Eine Broschüre der Schweizerischen Muskelgesellschaft

Was ist muskelkrank?

Unter Muskelkrankheiten versteht man alle neuromuskulären Erkrankungen. Nach einer Klassifikation von Walton gibt es 800 Formen. Der Volksmund nennt sie Muskelschwund und beschreibt damit ein

...
Artikel lesen

Inklusion - Arbeitgeber - Arbeit für Behinderte - Jumbo - Jumbo-Markt AG

Evaluation Jumbo-Contactors

Untersuchung im Rahmen einer Masterarbeit

Wie die Win-Win Situation für Mitarbeitende, Geschäftsleitung und Rollstuhlfahrer bei der Jumbo-Markt AG zustande kam, und was dies für weitere Projekte bedeuten kann, haben im Auftrag der

...
Artikel lesen

Integration - Gleichstellung - Inklusion

Inklusion

Was bedeutet das aber

...

Folgende Artikel könnten für Sie auch interessant sein

Artikel lesen

Friedreich Ataxie - FA - Wohnen - Selbständig

Mit FA in der Gemeinschaft leben

...
Artikel lesen

SMA - Spinale Muskelatrophie - Kugelberg-Welander

Ein Leben mit SMA – und noch ein 40. Jubiläum

...
Artikel lesen

Powerman - Roland Thomke - mitochondriale Mythopathie - Muskelkrankheit

Roland Thomke leidet an einer Muskelkrankheit

Bellacher wagte Schritt zur Selbständigkeit - jetzt produziert er Skis

16.9.15 - 15:34

Von Raphael Galliker

© Copyright az Grenchner Tagblatt 2015

http://m.grenchnertagblatt.ch/sport/solothurn/der-bellacher-roland-thomke-geht-neue-wege-129556824

 

...